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Ein aufregender Angeltag
20. April 2008

Torsvag – Vannöya - Nordnorwegen
Temperatur 1°, zeitweise Schneefall und dazu ein frischer Wind aus Nordwest.

Nicht gerade die angenehmsten Voraussetzungen für einen sonntäglichen Angelausflug
auf die mitunter raue Barentsee.

Alle anderen Gäste waren an diesem Tag bereits auf dem Meer und nach kurzer Überlegung
entschied ich mich, alleine in See zu stechen. Der April gehört in Torsvag zu den besten Heilbuttmonaten und bereits 7 Tage vorher gelang mir der Fang von zwei 17 kg und 28 kg schweren Exemplaren.

15.00 Uhr
Ich prüfte den Wetterbericht, bereitete sorgfältig mein Angelgerät und die Heilbuttharpune mit Bojen vor, startete das Arvor Boot und verlies mit 8 Knoten Fahrt den Hafen von Torsvag.

Nach 25 Minuten war der vorläufige Angelplatz erreicht und schon nach einigen Minuten
stellten sich die ersten Bisse von halbstarken Dorschen ein.

16.00 Uhr
Nach einer Weile begegnete ich dem Arvor Boot einer Berliner Angelgruppe, welches sich aber, aufgrund nur mäßiger Fangerfolge, auf den Heimweg machte.

Sehr große Lust weiterzufischen verspürte auch ich in diesem Moment kaum noch, entschloss mich aber trotzdem, noch einen ca. 2 Seemeilen entfernten Platz anzufahren, der in der Vergangenheit schon einige gute Atlantische Heilbutts hervorgebracht hat und meinem Freund Volker Dapoz beinahe einen Fisch von geschätzten 120 kg beschert hätte- welcher aber leider beim Harpunieren verloren ging.

Am Zielort angekommen frischte der Wind auf und erneuter Schneefall setzte ein.
Ich ließ, nicht gerade hoch motiviert, meinen Gummifisch, montiert am 300 g Giant Jighead, zum Grund in rund 35 m Tiefe.

Vorerst tat sich, bis auf die allgegenwärtigen Dorsche, nichts und als auch noch mein Mobiltelefon klingelte mit Sonjas Bitte, doch bald zurückzukommen, da meine Hilfe im Camp erforderlich war, schrieb ich diesen relativ kurzen Angeltag – ohne
Vorahnung was bald passieren würde – ab…

Noch einmal das Boot umsetzen, eine letzte Drift für heute, dachte ich mir und dann sollte es
zurück gehen, nach Torsvag ins Havfiskecenter.

Wie schon zuvor, bot ich meinen Köder in einer Tiefe von 33 m, gute 8-10 m über Grund, an und nach kurzer Zeit erfolgte ein relativ zaghafter Biss, dem ich einen sofortigen Anhieb entgegensetzte. Sicher wieder ein durchschnittlicher Küstendorsch der 4-5 kg Klasse, so vermutete ich jedenfalls.

18.00 Uhr
Aber es kam ganz anders:
Sofort stand meine Antares Braided Boat krumm und zum Versuch, den Fisch an die
Oberfläche zu bringen, kam ich nicht, da der große Unbekannte eine erste Flucht zum Grund machte. Dort stoppte er und langsam versuchte ich, ihn nach oben zu pumpen.
Erst jetzt merkte ich das brutale Gewicht meines Gegners und mir war sofort klar: STORKVEITE!!!

Schnell griff ich mir das Handy und informierte Sonja, das sich meine geplante Rückkehr in
den Hafen verzögern würde.

Ich passte die Bremseinstellung meiner Torsa dem Riesenfisch an und begann, den Heilbutt ganz langsam Richtung Oberfläche zu bringen.

Jetzt bloß keinen Fehler machen und hochkonzentriert bleiben, schoss es mir durch den Kopf. Den Fisch immer auf Spannung haltend, gelang es mir tatsächlich, den Giganten vom Grund zu lösen und Zentimeter für Zentimeter Richtung Oberfläche zu pumpen.

19.00 Uhr
Nach guten 50 schweißtreibenden Minuten war es dann so weit – ca. 10 m unter dem Boot wurde der Riese schemenhaft sichtbar. Was für ein Anblick! Erste Schätzung: über 2 m und gute 120-130 kg!!! Die beiden 6/0er Drillinge des Giant Jigheads saßen perfekt im Maul.

Ich bekam weiche Knie und der Adrenalinspiegel schoss ins Unendliche. Vorsichtshalber knotete ich, aufgrund der Größe des Heilbutts, zwei weitere Bootsfender ans Ende des Harpunenseils und warf es, mit insgesamt 5 Auftriebskörpern über Bord.

Dann kam der Augenblick, in dem ich den Fisch das erste Mal in voller Länge zu Gesicht bekam. Zwei Augen, so groß wie Tennisbälle, starrten mich an und mein Respekt vor diesem
Fisch wurde immer größer. Majestätisch, und mit langsamen Flossenschlägen, verweilte er direkt neben dem Boot. Ich konnte mich kaum satt sehen, so etwas Urgewaltiges hatte ich in meinem bisherigen Anglerleben, obwohl mir schon viele tolle Fische an den Haken gingen, noch nie zu Gesicht bekommen.

Doch plötzlich fielen mir Volkers mahnende Worte vom letzten Oktober ein: „wenn der Butt oben ist, muss schnell gehandelt und die Harpune gesetzt werden – sonst taucht der Fisch wieder zum Meeresgrund ab und das ganze Spiel beginnt von vorne – Heilbutt in dieser Größe sind niemals ausgedrillt, wenn sie sich zum ersten mal am Boot zeigen“

Das wollte ich natürlich unter allen Umständen verhindern, schnell griff ich mir die Heilbuttharpune und stach, genau an der richtigen Stelle hinter dem Kopf, entschlossen und kräftig zu.

Es machte den Anschein, dass alles lehrbuchmäßig geklappt hat. Nach dem Einstich war der Fisch ca. 5 Sekunden wie gelähmt, aber plötzlich mobilisierte er alle seine Kräfte und verabschiedete sich, wütend mit der Schwanzflosse schlagend und Gischt spritzend, mit allen 5 Auftriebskörpern in die Tiefen der Barentsee.

Bei mir stellte sich ein voreiliges, trügerisches Glücksgefühl ein und ich war mir sicher:
Diesen Fisch kann dir niemand mehr nehmen.

Doch wie dicht Freud und Leid beim Fischen zusammen liegen können, sollte ich nun am eigenen Leib erfahren.

Es begann damit, dass die Bootsfender wiedererwartend schnell auftauchten.
Vermutlich war der Auftrieb zu stark, so dass sich die Harpunenspitze aus dem
Fisch gelöst hatte.

Da ich mich alleine im Boot befand, war es nicht möglich, die Maschine zu starten,
um das vom Boot wegtreibende Harpunenseil samt Fendern wieder an Bord zu holen.

Der Lowrance Kartenplotter/Echolot zeigte mittlerweile eine Tiefe von 100 m an
und langsam aber sicher driftete ich in noch tieferes Wasser.

Der Fisch hatte zwischenzeitlich wieder den Meeresboden erreicht und stand wie eine Eins am Grund.

Da für mich nun keine Möglichkeit mehr bestand, den Butt aus eigener Kraft zu landen,
bzw. ich andere Möglichkeiten aufgrund von Sicherheitsbedenken ausschloss,
nahm ich mein Telefon und forderte bei Sonja ein zweites Boot zur Verstärkung an.

19.30 Uhr
Sie wollte ihren Lebensgefährten Björna und die Berliner Gäste losschicken, um mir bei der Landung des Giganten zu helfen. Ich gab meine Position sowie Driftrichtung an und hoffte, dass mich das Boot innerhalb der nächsten 30 Minuten erreichen würde.

Nun begann ein erneuter Kraftakt, den Heilbutt nach oben zu befördern. Wieder ging es nur ganz langsam und ich hoffte, dass Schnur, Wirbel, Sprengringe, Drillinge und meine Knoten dieser Dauerbelastung standhalten würden.

Während des Drills konnte ich in der Ferne das angeforderte Arvor Boot am Horizont ausmachen, welches allerdings – für mich unerklärlich – in die falsche Richtung fuhr.

19.50 Uhr
Nach weiteren 20 Minuten klingelte mein Telefon und ich konnte auf dem Display die Nummer von Thomas, der der Berliner Gruppe angehörte, erkennen. In der einen Hand die Rute haltend, versuchte ich mit der anderen Hand das Handy zu greifen, um den Anruf entgegenzunehmen. Leider fiel es mir bei dieser Aktion auf den Boden des Arvor Bootes, die Handyabdeckung löste sich und der Akku fiel heraus.

Meine PIN Nummer hatte ich natürlich nicht im Kopf und so bestand keine Chance mehr,
das Telefon erneut zu aktivieren.

Meine Kräfte ließen langsam nach, die Arme wurden schwerer und der Fisch befand sich noch immer ungefähr 60 m unter dem Boot.

Ich hoffte natürlich, das Björna mich finden würde, bevor der Fisch sich zum zweiten Mal am Boot zeigt.

21.00 Uhr
Nach weiteren 70 Minuten tauchte der Heilbutt erneut am Boot auf und ich stand ohne
jegliche Landemöglichkeit da.

Ich befand mich im Wechselbad der Gefühle, den Fisch des Lebens greifbar vor Augen, aber
keine Möglichkeit ihn zu landen und so blieb mir nichts anderes übrig, als abzuwarten, was passieren würde.

Wieder flüchtete der Fisch mit brutaler Kraft in die Tiefe, die nun 140 m betrug.
Es folgte ein enormer Run ohne Zwischenstopp und in kurzer Zeit flogen geschätzte 220 m Schnur von der Torsa.

Es war zum Verzweifeln, ich machte eigentlich alles richtig und trotzdem wurde ich von
einer Verkettung unglücklicher Umstände bestraft, wie ich es vorher noch nie erlebt hatte.

Die Uhr zeigte 21.00 Uhr an und langsam aber sicher setzte die Dunkelheit ein. Der Wind kam nun mit 8-9 m/sec daher und die Wellenhöhe betrug geschätzte 1,5-2 m. Zu allem Überfluss schob sich von Nordwesten auch noch eine dunkelgraue Wolkenfront hervor und zog genau in meine Richtung.

Da die Sicherheit beim Bootsangeln bei mir an erster Stelle steht, setzte ich mir selber ein Ultimatum von weiteren 60 Minuten und hatte den Plan, die Schnur zu kappen, wenn bis 21.30 Uhr keine Hilfe eintreffen würde.

21.15 Uhr
Ich drillte den Fisch weiter Stück für Stück nach oben, hatte aber die Hoffnung längst aufgegeben, dass mir noch jemand zur Hilfe kommt. Es war ca. 21.15 Uhr, als der Fisch zum Dritten mal am Boot war.

Wieder genoss ich den Anblick dieses Giganten und fand mich damit ab, dass es wohl das letzte mal sein sollte, diesen Fisch bewundern zu dürfen.

Wieder peitschte mir das Spritzwasser ins Gesicht und mit einer rasanten Flucht zog der Heilbutt unaufhaltsam zum Grund des rund 150 m tiefen Wassers.

Nun ist es endgültig vorbei, dachte ich mir. Körperlich der Erschöpfung nahe, hielt ich die Schnur nur noch auf Spannung, wollte ein letztes Mal diese unnachgiebige Kraft und die bis ins Handteil meiner Antares fühlbaren Flossenschläge spüren und bereitete mich mental auf den „finalen Cut“ vor.

Zu diesem Zeitpunkt war ich wohl der traurigste Mensch der Welt.

Noch einmal streifte mein Blick den Horizont, und mir fiel ein kleiner, weißer Punkt auf.
Ich schaute genauer hin, um mich zu vergewissern, ob es sich um eine brechende Welle handelte. Aber der weiße Punkt bewegte sich und kam näher. Sollte es doch tatsächlich Björnas Boot mit den Berlinern Gästen sein? Nein, das ist nicht möglich - ging es mir durch den Kopf. Seit über 2 Stunden wartete ich vergebens und nun sollte es tatsächlich so weit sein?

Es wurde immer größer und dann war ich mir ganz sicher, dass es das erhoffte Arvor Boot war.

Ich war überglücklich und durch diesen Motivationsschub sowie die Chance, den Heilbutt doch noch landen zu können, bündelte ich alle meine Kräfte und begann noch einmal, den Flachmann vom Grund zu holen.

Das Hilfsboot hatte in der Zwischenzeit an der Steuerbordseite meiner Arvor angelegt und Björna wechselte, mit Harpune, Fendern, Gaffs und zusätzlichem Tauwerk bewaffnet, die Boote.

Thomas (einer der Berliner) übernahm das Ruder und manövrierte die Arvor auf einen
ausreichenden Sicherabstand zu meinem Boot.

21.45 Uhr
Weitere 30 Minuten vergingen und ich konnte meinen Körper kaum noch spüren. Bald musste es soweit sein, es waren noch ungefähr 20 m Schnur im Wasser und Björna bereitete sich auf den großen Augenblick vor. Er stieg auf die sich im Heck der Arvor befindlichen Plattform
und starrte gespannt auf die Wasseroberfläche.

Dann zeigte sich der Heilbutt zum 4. Mal und Björna sagte nur kurz und trocken:
--- this will be the new world rekord ---
Wie Recht er doch haben sollte, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst…

Björna setzte die Harpune fehlerfrei und ein letztes Mal flüchtete der Fisch mit allen Fendern in die Tiefe. Ein letztes Mal gab die Bremse der Torsa an diesem Tag Schnur frei.

Es dauerte noch gute 10 Minuten bis die Fender wieder auftauchten und so zogen wir den Fisch mit vereinten Kräften am Harpunenseil ans Boot

22.30 Uhr
Björnas hatte die Idee, den Fisch zu zweit in die Arvor zu heben – aber das konnte ich ihm, da ich nur eine sehr geringe Chance auf Erfolg sah und mir diese Aktion als zu gefährlich erschien – glücklicherweise ausreden.

So schnappte er sich sein mitgebrachtes Tauwerk und zog es dem Fisch durch die Kiemen.
Das zweite Seil wurde als Schlinge um die Schwanzflosse gelegt und jetzt war der Heilbutt
sicher und fest außenbords am Boot vertäut.

Wir konnten es kaum fassen, wir hatten es doch tatsächlich geschafft, einen schon längst verloren geglaubten Fisch doch noch zu landen.

Wir lagen uns in den Armen, hatten Tränen in den Augen und die Freude war grenzenlos.

Nun ging es in Verdrängerfahrt und mit deutlicher Schlagseite an Backbord Richtung Heimathafen. Das zweite Boot begleitete uns noch 1,5 Seemeilen, nahm aber dann mehr Fahrt auf, um vor uns im Hafen zu sein und unser Einlaufen auf Video festzuhalten.

Während der Rückfahrt interessierte mich natürlich noch brennend, wie Björna mich
doch noch gefunden hatte. Nachdem mein Handy „tot“ war, machten sich die Einheimischen große Sorgen und ein Berufsfischer, dessen Haus unweit des Hafens auf etwas höherer Position liegt, hat mich vom Wohnzimmer aus mit seinem Fernglas entdeckt und Björna meine Position durchgegeben.

Tja, Glück gehabt, dachte ich mir, aber das gehört zum Fischen letztendlich auch dazu.

23.25 Uhr
Im Hafen hatte sich schon eine beachtliche Zahl von Einheimischen eingefunden und konnte es kaum erwarten, diesen Giganten zu bewundern.

Nach erfolgter Fotosession brachten wir den Heilbutt mit Hilfe eines Baggers in die
Nahe liegende Fischfabrik, um das genaue Gewicht auf einer geeichten Waage zu ermitteln.

Diese zeigte ein Gewicht von 194 kg und die exakte Länge betrug 242 cm.

21. April 2008
Am nächsten Tag wurde der Heilbutt noch einmal von einem Polizeibeamten aus Tromsö
gemessen, gewogen sowie schriftlich und offiziell bestätigt

Der Fisch wurde anschließend filetiert und der lokalen Bevölkerung kostenlos zur Verfügung
gestellt.

Ein ganz großes DANKE geht an:
den Torsvag Fischer am Fernglas
Sonja und Björna (Torsvag Havfiske)
Thomas Michael und Freunde
Volker Dapoz (Seawaver Lures)
Sven Jakob (HAV)
Shimano Germany Fishing GmbH


Abschließend noch ein paar Worte zu meinem gefischten Shimano Gerät:

Die Rute Antares Braided Boat 30-50 lbs hat mir wirklich einen ausgezeichneten Dienst erwiesen. Rasante Fluchten wurden sehr gut abgefedert und ich hatte nie das Gefühl, dass der Blank durch Materialermüdung brechen könnte. Obwohl die Rute über ein bärenstarkes Rückrat und enorme Kraftreserven verfügt, ist sie keineswegs ein „Besenstiel“. Die Spitzenaktion ist ausgesprochen sensibel und auch der Drill eines 10 kg Dorsches
ist mit dieser Rute ein Erlebnis. Angenehm sind auch der relativ schlanke Blank und das nicht zu dicke Griffstück. Die Rute liegt sehr ergonomisch in der Hand und das Fischen bringt einfach nur Spaß.

Auch die Multirolle Torsa 16 ist für Maximalbelastungen beim Heilbuttangeln wie geschaffen und hat mich während des 3,5-stündigen Drills nicht im Stich gelassen. Das Bremssystem funktionierte absolut fehlerfrei.Der Bremsdruck kann sehr schnell der Situation angepasst werden und auch das aggressive Salzwasser scheint der Rolle (richtige Pflege vorausgesetzt!) nichts anhaben zu können. Selbst nach vielen Einsätzen bleibt der seidenweiche Lauf der Rolle erhalten und auch die Bremse arbeitet nach wie vor absolut ruckfrei.


Nachtrag 23. Mai 2008:

Am 23.05. gelang mir der Fang eines weiteren großen Heilbutts. Der Fisch hatte eine Länge von 180 cm und brachte 66 kg auf die Waage. Auch bei diesem spektakulären 60-minütigen
Drill bildeten die Antares Braided Boat und die Torsa Rolle eine absolut harmonische Einheit und es war einfach ein beruhigendes Gefühl, daxs ich mich auf mein Gerät verlassen konnte.
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